Gurtpflichtjubiläum

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Gurtpflichtjubiläum


Seit dem 1. August 1984 wird das Fahren ohne Sicherheitsgurt in der BRD bestraft. Die Gurtpflicht gab es schon seit 1976, wurde aber vielfach missachtet. Man hat sogar untersucht, warum: Die lebensrettende Wirkung von Gurten wurde allgemein gar nicht bestritten, aber Psychologen fanden heraus, dass das Anschnallen die lebensgefährlichen Umstände des Autofahrens erst bewusst machte. Bis zum berühmten Klick im eigenen Auto konnte erfolgreich verdrängt werden, dass auch ich von diesen Gefahren bedroht bin. – Als ich zum Jahrestag der Gurtpflicht kürzlich davon las, wurde es mir zu einem Gleichnis für die abnehmende Plausibilität des Glaubens an das ewige Leben. Dieser Glaube rettet dem gläubigen Menschen das Leben über den Tod hinaus, macht ihn gegenüber seiner sterblichen Natur gelassener, nimmt dem Tod den Schrecken des Finalen und kann, gemessen an seinen Alternativen, als rational und lebensförderlich gelten. Aber der Glaube an das ewige Leben konfrontiert den Menschen auch mit seiner Sterblichkeit, die er bist zum möglichen Klick in Herz und Kopf mehr oder weniger erfolgreich, aber mit hohem Aufwand an Geld, Zeit und Energie verdrängt. Dass ich glaube, ins ewige Leben zu gelangen, setzt die Einsicht voraus, dass nicht nur die anderen sterben. Die kompetente Anleitung gut verdienender Verdrängungsindustrien steht dieser Einsicht aber massiv im Weg. – Die Zahl der Verkehrstoten sank nach Durchsetzung der Gurtpflicht weiter signifikant. Vielleicht veranlasst die Todesdrohung durch Corona ja auch mehr Klicks in Herzen und Köpfen. Jedenfalls glaube ich, dass die Verbreitung des Glaubens an das ewige Leben hilft, viel Geld, Zeit und Energie aus dem Todesverdrängungskrampf in eine entspannte Lebensgestaltung umzuleiten und dabei enorm zu sparen.

 

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