Gefühlte Schuld

Der Pastor bloggt

Gefühlte Schuld


Als Jesus gefragt wird, ob es rechtens sei, dem Kaiser Steuern zu zahlen, antwortet er weise: „…gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!" (Matthäus 22, 21) Die lutherische Zwei-Reiche-Lehre fußt u.a. auf diesem Vers. Die Einstellung des Gerichtsverfahrens zur Loveparade-Katastrophe 2010 zeigt mir, wie aktuell sie ist. Denn sie lehrt u. a., zwei Dinge zu unterscheiden: juristische Schuld und Schuld vor Gott. Ich unterstelle, dass das Landgericht Duisburg seine Arbeit gemacht hat. Dann wird deutlich, dass der juristische Blick begrenzt ist. Er sucht nach dem oder der oder den Schuldig*en, und es kann geschehen, dass er nichts findet, wenn er nüchtern bei dem bleibt, was an der Oberfläche zu sehen ist. Der Rechtsstaat hat hier nicht versagt, denke ich. Er ist nicht das Instrument, die von den Opfern und Hinterbliebenen gefühlte Schuld zu erfassen und zu be- oder gar zu verurteilen. Diese gehört vor ein Forum, dass über das Juristische hinausblicken kann: das Gericht Gottes, dem zu vertrauen eine Chance wäre für die Schmerzen und Leiden der Opfer. Ich glaube, dass es Schmerz, Scham und die gefühlte Schuld auch bei denen gibt, bei denen ein menschliches Gericht justiziable Schuld verneinet hat. Das Gericht Gottes ist meiner Erwartung nach das einzige Gericht, dass sowohl den Opfern als auch den Täter*innen gerecht werden kann, denn Sein Blick hat Tiefenschärfe: „… es ist nicht so, wie ein Mensch es sieht: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an." (1. Samuel 16, 7)

 

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