Aufmerksamkeit

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Aufmerksamkeit

Die Berichterstattung über Corona-Demos beginnt, der Logik der Aufmerksamkeitsökonomie folgend, häufig mit den Gewaltausbrüchen. Dann heißt es oft: „Weitere Proteste fanden statt in …" und einem nicht ganz wachen Zuhörer könnte es scheinen, als wären an all diesen Orten Demonstranten mit Polizisten aneinander geraten. - Meiner Charakterstruktur nach bin ich eher ein Schisser mit Beißhemmung und wohl schon deshalb über die berichtete Gewalt erschrocken. Allerdings bin ich das auch, wenn „das herze Jesulein" (EG 27, 5) unflätig zu seiner Mutter ist („Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau?" Joh. 2, 3), seine religiösen Gegner beschimpft („Ihr Schlangen, ihr Otterngezücht!" Math. 23, 33), zornig gegen seine eigenen Leute wird („Wie lange soll ich euch ertragen?" Mk 9, 19) oder gar randaliert („Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus … und schüttete den Wechslern das Geld aus und stieß die Tische um…" Joh. 2, 15). Offenbar ist eine Idee, eine Meinung oder gar „die Wahrheit" (Johannes 14, 6) nicht schon deswegen diskreditiert, weil sie nicht in allerfeinster Manier, sprich: geschlechter-, kultur-, alters-, sozial- und klimasensibel vorgetragen wird. Ich wage zu vermuten, dass sie, so vorgetragen, der Aufmerksamkeit wegen der Spannungslosigkeit zum Erwarteten gänzlich entgehen würde.

 

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