Bebauung St. Trinitatis Altona

Zukünftige Bebauung St. Trinitatis Altona ist entschieden

Architekturbüro KBNK Architekten mit Landschafts.Architektur Birgit Hammer erhält 1. Preis

Nähring, Krause, Hammer, Birwe

Der Entwurf des Hamburger Architekturbüros KBNK Architekten mit Landschafts.Architektur Birgit Hammer (Berlin) zur Bebauung des Geländes zwischen der Kirche St. Trinitatis Altona und der Königstraße wurde von einer Jury am 6. November 2017 mit dem 1. Rang ausgezeichnet. Er ist eine Überarbeitung des ursprünglichen Entwurfs dieser Arbeitsgemeinschaft.

Die 15köpfige Jury würdigte beim Siegerentwurf, dass fünf einzelne, einfache Baukörper geschickt zueinander gesetzt seien; dass jedes dieser fünf Gebäude eine eigene Identität habe; dass die Baukörper sich überzeugend auf die Dominanz der Kirche bezögen; dass sie ein Ensemble mit mehreren Plätzen bildeten, die zusammen als ein eigenes kleines Quartier im Grünzug zu einem lebendigen Ort werden könnten. Jeder Bau trete hervor, auch durch die schrägen Dächer, erläuterte der Jury-Vorsitzender Prof. Helmut Schulitz.

Johannes Gerdelmann, Dezernent für Wirtschaft, Bauen und Umwelt, Bezirksamt Altona, sagte: „Ich freue mich, dass wir dieses Ergebnis haben und dass wir sagen können, die Mitwirkung von Öffentlichkeit hat sich gelohnt.“

Für Franz-Josef Höing, seit 1. November Oberbaudirektor der Freien und Hansestadt Hamburg, war es die erste Jury, an der er in dieser Funktion beteiligt war. Es sei darum gegangen, an einem historischen Ort zu bauen ohne den Park und die Sichtbezüge zu zerstören. Das sei bravourös gelungen, denn es sei nicht leicht, der Kirche etwas an die Seite zu stellen mit dem richtigen Volumen, der richtigen Höhe, zwischen lauter Straße und kontemplativem Park. Das Büro habe charaktervolle Häuser entworfen mit Inhalten, für die man der Kirche dankbar sein müsse.

Michael Benthack, Geschäftsführer von bauwerk KIRCHLICHE IMMOBILIEN erläuterte für den Bauherrn, den Ev.-Luth. Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein, wie die fünf Gebäude genutzt werden sollen:

  • als Pilgerherberge (40 Schlafplätze)
  • als Café, Beratungs- und Verwaltungsgebäude
  • als Kita und für Sozialwohnungen (10 Wohnungen, zum Teil für zwei oder drei Personen)
  • als Senioren-Tagespflege und für Übergangswohnungen für Obdachlose

(16 Wohnungen, 2 davon für zwei Personen).

Bürgerbeteiligung

Vorangegangen war dem Wettbewerbsverfahren ein Bürgerbeteiligungsworkshop. Etwa 100 Personen aus der Nachbarschaft brachten Ende März 2017 bei einer Veranstaltung ihre Vorstellungen zur Neubebauung rund um die Kirche St. Trinitatis ein. Dazu waren auch die Planungsbüros eingeladen. Es wurden Anforderungen an den Kirchenvorplatz und den Übergang ins benachbarte Struenseequartier erarbeitet und Ideen für die Schnittstelle von Bebauung und Grünzug gesammelt. Kontrovers diskutiert wurde, ob an der Königstraße eine eher geschlossene oder nur eine Einzelbebauung die richtige Lösung darstellt. Am Ende wurden vier Bürgervertreter/innen ausgelost, die als Gäste der Jury bei der Wettbewerbsentscheidung halfen.

Hintergrund

Der Ev.-Luth. Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein, vertreten durch bauwerk KIRCHLICHE IMMOBILIEN, möchte zusammen mit der Hauptkirchengemeinde St. Trinitatis Altona auf eigenem Grundstück nördlich der Kirche ein „Gebäudeensemble im Grünen“ mit unterschiedlichen kirchlichen und sozialen/diakonischen Nutzungen bauen. Das stark erneuerungsbedürftige Gemeindehaus mit Pastorat soll durch einen Neubau ersetzt werden. Die Neubebauung soll darüber hinaus Gemeinderäume, kirchennahe Dienstleistungen, eine Kindertagesstätte, Büro- und Gewerbeflächen sowie kirchennahe Wohn- und Beratungsangebote für auf dem Wohnungsmarkt Benachteiligte umfassen, alles Nutzungen, die deutlich machen, was kirchliches Handeln heute beinhaltet. Dabei sollten weder die denkmalgeschützte Kirche noch die denkmalgeschützten Freiflächen beeinträchtigt werden.

Mit dem Wettbewerb sollte ein Entwurf gefunden werden, der im Spannungsfeld zwischen Kirche, Grünzug und Jüdischem Friedhof Altona städtebauliche, hochbauliche und freiraumplanerische Anforderungen angemessen umsetzt. Dabei spielten deutliche Sichtbezüge auf die Kirche eine große Rolle. Im Rahmen des Verfahrens sollten daher auch Vorschläge entwickelt werden, wie das Kirchenareal zukünftig in den Grünzug Neu-Altona integriert werden kann und wie dabei die öffentlichen Fuß- und Radwegeverbindungen berücksichtigt und entwickelt werden können.

Bedeutung für die Kirchengemeinde

Die Insellage der Kirche, die nach den Zerstörungen in Altona im 2. Weltkrieg entstanden war, hat zu einem gewissen Abstand des Zentrums der Gemeinde mit Gemeindehaus und Kirche zum umliegenden Quartieren geführt. Das war ein seit 35 Jahren unbefriedigender Zustand. Mehrere Anläufe, das zu ändern, sind gescheitert. Der letzte ist der bislang hoffnungsvollste.

Das neu entstehende Ensemble nördlich der Kirche vermittelt den gesamten Ort städtebaulich in das Umfeld, da die offenen Plätze Einladungen zur Passage und zum Verweilen aussprechen. Die geplanten Nutzungen werden Menschen, an die sich die Kirchengemeinde traditionell gewiesen weiß, näher an den Ort heran führen und die kirchliche Arbeit näher an diese. Die Kirchengemeinde sieht in beiden Bewegungsrichtungen eine Bereicherung. Zum einen wird sie wieder stärker mit dem Leben um Umfeld räumlich verbunden sein, zum anderen werden Menschen aus dem Umfeld die Gemeinde deutlicher wahrnehmen und sich über das Kirchengebäude hinaus mit ihr identifizieren können.