Privat: David Burkhard Janssen, Theologiestudent und seit zweit Wochen unser Gemeindepraktikant, schreibt über seine Erlebnisse:

veröffentlicht am 1.3.2018

Das Semester ist gefühlt gerade erst zuende, da bin ich schon mittendrin im kirchlichen Leben an der Hauptkirche St. Trinitatis-Altona. Einen Monat habe ich als Student der evangelischen Theologie und angehenden Pastor jetzt die Möglichkeit einen Einblick in diese Gemeinde zu bekommen. Anstelle das freie Studentenleben zu genießen, heißt es jetzt für mich, Pastor Morche auf all seinen Wegen durch die St. Trinitatisgemeinde zu begleiten. Was macht ein Pastor so den ganzen Tag? Von Zuhause, einem Pastorat bei Kiel, habe ich zwar schon vieles erfahren und erlebt, aber eine Großstadtgemeinde wie in Altona-Altstadt bietet noch einmal ganz andere Herausforderungen und Möglichkeiten.

Eins vorneweg: Negativ überrascht oder gar, meinen Wunsch Pastor zu werden, erschüttert, hat mich das Praktikum nicht. Ganz im Gegenteil: Morgens noch bei der Mitarbeiterbesprechung die Woche durchplanen, nachmittags mit Senioren klönen und singen, abends noch mit kritischen Anwohnern über die Neubaupläne der Kirchengemeinde/ Kirchenkreises diskutieren. Am Vormittag eine Lerneinheit Liturgie in der leeren Kirche, am Abend in der musikalischen Vesper den Tag andächtig mit wunderschöner Orgelmusik und Gotteslob ausklingen lassen. Am nächsten Tag dann eine Klausurtagung des Kirchengemeinderats über Fragen der Liturgie und des Gottesdienstes – gelebtes Priestertum aller Gläubigen. Beim ökumenischen Frühstück und Pastorenconvent sich mit den vielen anderen christlichen Pfarrern und Predigern in der Umgebung austauschen – ein ökumenischer Pfingstgottesdienst muss ja auch noch geplant werden. Oder auch mal einige Stunden Emails abarbeiten, (Telephon-)Gespräche führen … Und in den freien Stunden endlich die Ruhe, um über den Predigttext für den nächsten Sonntag nachzusinnen, im Gebet Gott für alles Gelungene zu danken und ihm das Unvollendete anzubefehlen. Welcher Beruf verbindet schon so viele verschiedene Arbeitsfelder, so unterschiedliche Tätigkeiten? Wo begegnet man innerhalb kürzester Zeit der größten Freude zweier junger Eltern im Taufgespräch und nur wenig später der größten Trauer bei einer Bestattungsfeier?

Und welcher Beruf erlaubt es einem schon, den wirklich wichtigen Fragen des Lebens als Teil des Arbeitsalltags nachzugehen? Am Sonntag darf ich dann sogar „auf die Kanzel“, wobei es die ja in St. Trinitatis nicht gibt: Jesajas Weinberglied, ein schöner Text, eine Herausforderung für seine Hörer seit 2700 Jahren – auch für mich.