Heute, es ist Mitte Januar, war es noch dunkel, als ich aus dem Haus ging. Es ist wieder so ein kalter, windiger Tag. Hemd, Pullover, Jackett, Mantel und Winterschuhe, Hut, Schal und Handschuhe schützen mich zwar, aber ich fröstle doch. So eingepackt zu sein, ist es auch nicht bequem. Ich sehne mich nach der Zeit, in der ich mit leichter Jacke und eleganteren Schuhen durch helle, warme Tage gehen werde, ein Liedchen pfeifend. Ich danke meinem Gott: diese Tage werden kommen. Das macht es leichter.

Mancher Seele geht es ähnlich: schlechte Nachrichten, Krankheit, Verlust, Grobheiten, Missverständnisse wehen scharf und kalt heran. Rückzug soll Schutz bieten, Rede im Ansagemodus oder hartes Verstummen soll den Angriff abwehren. Tut es vielleicht, aber die Seele fröstelt und sehnt sich nach leichten Sandalen und offener Bluse, nach Tagen ohne Angst, ohne Schmerz. Ich danke meinem Gott, dass sie kommen werden: Ostern erzählt davon. Die Feier der Auferstehung fällt in die Zeit, wo der Wintermantel hoffentlich im Schrank verschwunden sein wird, und der österliche Gesang wärmt die Seele: „Jesus ist auferstanden! Und Du mit IHM. Spürst Du nicht schon das Frühlingswehen?“ So wird es leichter, denke ich,

Ihr Pastor Torsten Morche

Projekte zum Mitsingen

Die Altonaer Kantorei sucht für zwei Projekte zusätzliche Sängerinnen und Sänger. Am 27. Mai 2018, Fest der Heiligen Dreieinigkeit, soll zusammen mit dem Chor der Gemeinde „Heilige Familie“ aus Lagenhorn

die Missa brevis St Joannis de Deo “Kleine Orgelmesse” von Hayden im Gottesdienst um 10 Uhr aufgeführt werden. Außerdem arbeitet der Chor gerade an der wunderbaren Bach-Motette “Lobet den Herrn, alle Heiden”; Aufführung am 1. Advent 2018 zur Feier 275 Jahre Hauptkirche St. Trinitatis Altona. Bitte melden Sie sich zu diesen Projekten bei Oksana Lubova (mobile 0178 35 99 243).

Ausstellungen in St. Trinitatis Altona (Mo. – Fr. 10 – 17 Uhr)

“27 Frauen zeigen Malerei”
Petra Bergerhoff präsentiert Ergebnisse ihres Projekts TÖCHTER.
Vernissage am Sonnabend, den 3.2. 2018 um 15 Uhr, begleitet von dem CHOR FÜR ALLE unter der Leitung von Steffen Wolf. (Ende am 11. Jan. 2018)

„Für Hamburg mit Liebe“
Ölgemälde der deutsch-ukrainischen Künstlerin Vira Vaysberg. Sie malt ihre neue Heimat Hamburg nicht als eine Sammlung von Sehenswürdigkeiten, sondern als einen poetischen Raum des Alltags. Vernissage am 7. April, 15 Uhr. (Ende 30. Mai 2018)

Unsere Angebote zu Passion und Ostern

In bewährter Tradition feiern wir am Gründonnerstag, 29. März um 19 Uhr zusammen mit der alt-katholischen Gemeinde eine Gottesdienst mit Tischabendmahl. Sie sind gebeten, dazu etwas zum Essen mitzubringen. Am Ende verlassen wir die Kirche in aller Stille.

Am Karfreitag, 30. März bedenken wir um 10 Uhr in einem ruhigen Wortgottesdienst das Sterben Jesu. Am Samstag wird die Kirche offen sein zu stiller Andacht am Grab. Um 15 Uhr hält Pastor Morche ein Karsamstags-Gebet.

Dem Geheimnis der Auferstehung nähern wir uns am Sonntagmorgen, 1. April um 5.30 Uhr (!). Wir beginnen die Feier in der dunklen Kirche, tragen später das Osterlicht hinein und lassen uns an unsere Taufe erinnern. Die besondere musikalische Gestaltung mit Exultet und gesungenen Lesungen übernehmen Kantor Hanno Schiefner und Sopranistin Oksana Lubova. Im Anschluss brechen wir das Fasten mit einem Osterfrühstück in der Kirche.

Um 10 Uhr am Ostersonntag feiern wir in einer Evangelischen Messe die Auferstehung, nachdem die Posaunen unseren Nachbarn ab 9.30 Uhr mitgeteilt haben, dass wir was zu feiern haben und sie herzlich eigeladen sind, dabei zu sein.

Am Ostermontag, 2. April, kommen wir zusammen, um mit der Gemeinde St. Petri Altona um 10 Uhr in der St. Trinitatiskirche Ostern in der Familienkirche zu feiern. Anschließend sind die Kinder eingeladen, Ostereier zu suchen.

Weltgebetstag 2018 – Surinam – Gottes Schöpfung ist sehr gut!

Surinam, das kleinste Land im Norden Südamerikas, gestaltet 2018 die Liturgie des Weltgebetstages (WGT).

So klein an Fläche es ist und mit nur 550.000 EinwohnerInnen geradezu bevölkerungsarm, so ungewöhnlich vielfältig ist es im Hinblick auf seine Ethnien (sie stammen von vier Kontinenten!), Sprachen (Niederländisch, „Sranan“, Hindi, Chinesisch u.a.) und Religionen (Christentum, Islam, Hinduismus, Naturreligionen, Judentum u.a.). In Surinam gelingt es zwischen den Religionen und den Ethnien Frieden zu halten.

Die Vorsitzende des surinamischen WGT-Komitees erklärt das so: Die Bevölkerung, die überwiegend aus EinwanderInnen besteht, war mit anderen Dingen als mit dem Verteidigen von Glaubensüberzeugungen beschäftigt. Die Menschen kennen sich untereinander, unabhängig von der Religion.

Surinam ist nicht nur vielfältig – es ist auch bunt. Den ersten Beweis dafür stellte Maria Sibylla Merian auf als sie 1699 zwei Jahre die surinamische Flora und Fauna – Gottes Schöpfung – als Wissenschaftlerin erforschte und als Malerin dokumentierte. Ihr Buch machte Surinam damals in Europa bekannt.

Die Forderung nach der Rücksichtnahme auf diese Natur – der Bewahrung der Schöpfung – ist daher der Schwerpunkt der Liturgie des WGT, denn „Gottes Schöpfung ist sehr gut“.

Der Weltgebetstag ist die größte ökumenische Basisbewegung von Frauen. Die Idee des „informierten Betens“ und des „betend Handelns“ ist ihre Grundlage und hält sie zusammen.

Am 2. März 2018 findet der Gottesdienst anlässlich des Weltgebetstages um 17 Uhr in der Altonaer Hauptkirche St. Trinitatis statt.

Zum Essen nach der Jahreszeit

mit Zutaten, die im Raum Hamburg gewachsen sind und einfachen, alltagstauglichen Rezepten. Das wollen wir am Mittwoch, dem 21. Februar von 18.30 – 21.30 h einmal gemeinsam ausprobieren, und zwar in Form eines Mitmach-Büffets im Gemeindehaus. Eintritt: selbst mitgebrachte Zutaten, die in Hamburg und Umgebung gewachsen sind. Anmeldung bitte bis zum 14. 2. 2018

Zum Essen nach der Jahreszeit und zum Einkauf von Lebensmitteln aus ihrer Region, dazu bekennt sich lt. Umfragen eine steigende Mehrheit der Deutschen. Erdbeeren im Winter oder Spargel in der kalten Jahreszeit sind bei sehr vielen VerbraucherInnen verpönt. Doch wie sieht es aus mit Tomaten, Gurken und Paprika? Sie wachsen ähnlich weit entfernt wie die verschmähten Erdbeeren. „Das Zeitfenster für unser hiesiges Gemüse wird immer enger,“ sagte vor einigen Jahren der Sprecher der Erzeugergemeinschaft Hamburg. Dazu passend nimmt die Zahl der Gemüsebaubetriebe in Hamburg weiter ab, von noch 243 im Jahr 2008 beispielsweise auf 89 im Jahr 2016 (lt. Statistikamt Nord). Wäre es da nicht einen Versuch wert, dem hiesigen Wintergemüse mehr Beachtung zu schenken? Wie das gehen kann, auch mit einfachen Gerichten nach Feierabend, das können wir gemeinsam ausprobieren und uns dazu gegenseitig Tipps geben. Bei positiver Resonanz ist eine Fortsetzung möglich.

Um die – hier gewachsenen – Zutaten und Wünsche der TeilnehmerInnen koordinieren zu können, geht es nicht ohne rechtzeitige Anmeldung. Die bitte unter astridmatthiae@gmx.de oder bei Astrid Matthiae Tel. 439 47 66. Bitte hinterlassen Sie eine Telefonnummer zum Zurückrufen.

Der Herr zieht mit!

Er ist schon da,

der dich getragen, geprägt, geführt und befreit hat.

Er ist schon dort.

Geh mit ihm.

Erfahre ihn, wie du ihn noch nie geglaubt.

Er ist schon dort,

der dich in Unbekanntes, Neues führt.

Er ist schon dort.

Geh – du bist nicht verlassen.

[Bernhard von Clairvaux]

Spielraum für Bewegung – ein Bewegungsprojekt

Spielraum für Bewegung – ein Bewegungsprojekt gefördert von der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz und der Techniker Krankenkasse

Ziele und Inhalt:
Kinder „sich frei bewegen“ lassen in einer vorbereiteten Spiel- und Bewegungslandschaft ist das Herzstück dieses Angebotes. Gleichgewicht, Geschicklichkeit, Raumgefühl, Miteinander… all das erkundet das Kind in der freien Bewegung. Die freie und selbst initiierte Bewegung ist der natürliche Lernweg des Kindes. Da entdeckt es seine Fähigkeiten und seine Grenzen, lernt aus Erfolgen und Misserfolgen. Für die Kinder ist dieser Weg ein freudvoller Weg und oft selbstverständlicher als für die Eltern. Hier können die Eltern einmal ausprobieren, innezuhalten und abzuwarten. Was passiert, wenn sie sich nicht einmischen, indem sie zum Beispiel die Hand reichen? Sie erfahren, wie ihr Kind die Situation meistert. Ein Lernprozess für`s Leben, denn was Kinder in einer herausfordernden Situation lösen können, nehmen sie mit für die nächste.

Mit Bewegungsmaterialien nach Emmi Pikler und aus dem Alltag erfahren die Eltern, wie sie ihr Kind in der häuslichen Umgebung unterstützen können.

Termin: Montag 15.30 – 17 Uhr
Kursleitung: Ulrike Bringer, Bewegungspädagogin
040 – 39 32 19

Experiment für Zukunft

Auf den Grundstücken von Kirchengemeinden wurden während des G20 Protestcamps geduldet. Für Pastor Torsten Morche von der St. Trinitatis Kirche eine erhellende Begegnung mit einer Utopie im Praxistest.

Die Zelte um die Kirche St. Trinitatis waren ein Hingucker. Über 100 waren es in Spitzenzeiten, 350 Menschen beherbergten sie; zusammen mit Küchenzelt, Sani-Zelt, selbstgebauten Toiletten und Waschanlagen eine beeindruckende Infrastruktur für mich, den Pastor dieser Gemeinde. Aber die 350 Menschen waren kaum zu hören. Nur die Durchsagen über Lautsprecher drangen manchmal bis in mein Büro. Sie forderten Camp-Bewohner_innen zur Mithilfe in dieser und jener Angelegenheit auf und luden zu Zusammenkünften ein. Und als am Montag alle weg waren, war außer platt gedrücktem Rasen auch nichts mehr zu sehen. Selbst die Kippen, die sie gar nicht hatten fallen gelassen, waren weggesammelt. Tourist_innen und manche Hundebesitzer_innen sind da ganz anders.
Seit dem Mittwoch der G20-Woche hatte die Gemeinde St. Trinitatis das Protestcamp geduldet und die Menschen als Gäste behandelt. Ich hätte mir weitaus unsympathischere vorstellen können. Aber diese waren freundlich, fröhlich und höflich. Wir hatten als Kirchengemeinde ja durchaus Bedenken, was für Leute wir da eventuell auf den Platz lassen: linke Chaoten oder welche vom Schwarzen Block? Man weiß es ja nie. Aber mich würde es sehr wundern, wenn rauskäme, dass solche bei uns untergekrochen sind.

Durch einen Brief, den ich später bekam, löste sich diese Befürchtung letztlich in Luft auf. Er öffnete mir nämlich die Augen über die Hintergründe dieser für mich so besonderen Atmosphäre in den G20-Tagen um die Kirche herum: Denn während in den Messehallen Machtfülle und in der Schanze nackte Gewalt zelebriert wurden, lief bei uns ein soziales Selbstexperiment. Die Schreiberin bedankt sich in ihrem Brief für unsere Gastfreundschaft und fährt fort: „… wie wir über die Zeit dort gemeinsam gelebt haben, spiegelt nämlich einen Teil dessen wider, wie wir uns ein gutes Miteinander vorstellen – sozusagen ein Stück Utopie in der Praxis. Diese Idee beruht grundsätzlich auf einem gleichberechtigten gemeinsamen Leben in einem diskriminierungsfreien Raum, in dem alle aufeinander achten und ein Stück gemeinsamer Verantwortung und damit in Verbindung stehende Aufgaben übernehmen.“ Ich erfahre etwas von der durchdachten Kommunikationsstruktur des Camps, den Instrumenten der Selbststeuerung und der Stressbewältigung. Am Ende schreibt sie: „Fest steht für mich, dass es eine sehr gute Zeit für mich auf dem Camp war und dass ich voll von Erfahrungen zurückgekehrt bin …“

Von den Erfahrungen der Briefschreiberin wird leider kaum jemand etwas hören. Ich gehe davon aus, dass 350 Menschen ähnlich empfinden wie sie, aber die großen Medien haben sich in die Randalierer in der Schanze verguckt und jede Menge Bilder von ihnen in die Welt hinausgeschickt. Die weiß nun, dass in den Tagen des G20 die Schanze gebrannt hat, aber nichts über ernsthafte Versuche, gewaltfreie Lebensformen in der Praxis zu erproben und alltagstaugliche Erfahrungen zu sammeln, die in die Tiefe wirken, Herzen verändern und Sprache abrüsten. Mir und der Kirchengemeinde St. Trinitatis ist viel gedankt worden für den Mut und die Entschlossenheit, das Camp zu dulden. Ich danke nun denen, die ihr Experiment auf unserer Wiese durchgeführt haben, für ihren Mut, ihren Ernst und ihre Unverdrossenheit. Denn ich kann sagen, ich war dabei, als etwas von unserer Zukunft aufblitzte. Und damit die Bilder der Gewalt nicht das letzte Wort haben, werde ich davon erzählen, so viel ich kann.

Torsten Morche
Pastor von St. Trinitatis – Kirche am Fischmarkt